Kreatives

Die verschwundene Tasse – Teil 4

Was bisher geschah: Die Lieblingstasse von Herrn Sorgenfrei ist verschwunden. Kommissarin Urich nimmt die Ermittlungen auf sich und hat als erstes Frau Holz verdächtigt. Diese gab an, am Tattag zusammen mit ihrem Hund an einem Hundewettbewerb teilgenommen zu haben. Frau Ude soll das bezeugen können.
Als nächstes wurde Frau Seywald verhört. Sie gab zu, dass die am Wochenende in der Schule war, um Klausuren abzuholen. Dort hat sie sich kurz mit Herrn Stein unterhalten. Da sie allerdings eine gute Theaterlehrerin ist und kein sicheres Alibi hat, wird sie von Kommissarin Urich näher unter die Lupe genommen.

Kommissarin Urich klopft an die bekannte Glastür. Frau Vollstuben steht hinter ihr und wartet darauf, den Raum betreten zu dürfen. Von innen hört man ein „Herein“.
„Frau Urich, Frau Vollstuben. Das ist aber eine Überraschung. Was kann ich für Sie tun?“
„Hallo nochmal, hätten Sie kurz Zeit, uns ein paar Fragen zu beantworten?“, fragt Kommissarin Urich Herrn Stein, der vor seinem Computer sitzt.
„Aber natürlich. Setzen Sie sich.“, sagt Herr Stein während er seine Brille abnimmt.
„Herr Stein, erzählen Sie uns bitte noch einmal was am Samstag passiert ist.“, fordert Kommissarin Urich auf.
„Ich habe gesehen, wie Frau Seywald das Verwaltungsgebäude betreten hat. Das hat mich natürlich gewundert. Normalerweise kommt kein Lehrer am Wochenende in die Schule. Ich habe Frau Seywald dann angesprochen und gefragt, was sie denn hier mache. Zuerst hat sie sich erschrocken, weil sie nicht erwartet hat, jemanden hier zu treffen. Sie hat mir erklärt, dass sie ihre Klausuren vergessen hat und deswegen in das Büro muss. Bis heute habe ich mir nichts dabei gedacht. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass sie das Lehrerzimmer mit Büro gemeint hat.“, erklärt Herr Stein.
„Ich kennen keinen Lehrer, der ‚Büro‘ zum Lehrerzimmer sagt“, schaltet sich Frau Vollstuben ein.
„Das haben Sie sehr gut beobachtet, Frau Vollstuben“, sagt Kommissarin Urich.
„Das ist mir heute Morgen auch ausgefallen. Deswegen habe ich Ihnen vorhin auch davon erzählt.“, erzählt Herr Stein etwas ungeduldig. „Haben Sie noch Fragen, ich habe eigentlich etwas zu tun. Eine Toilette im H-Gebäude ist wieder verstopft.“
„Ja, eine Frage wollen wir noch stellen“, erwidert Kommissarin Urich. „Ist Ihnen noch etwas aufgefallen? Hat Frau Seywald vielleicht noch etwas gesagt, was wir wissen sollten?“
„Nichts, was mir direkt einfällt. Falls mir aber noch etwas einfallen sollte, melde ich mich bei Ihnen“, sagt Herr Stein und steht auf. „Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden.“
Kurz bevor Herr Stein seine Tür schließt und Frau Vollstuben und Kommissarin Urich in seinem Büro stehen lässt, bleibt er nochmal stehen.
„Eine Weile nachdem ich mit Frau Seywald gesprochen hab, bin ich nochmal am Sekretariat vorbeigegangen und hab feste Schritte gehört. Ich dachte, das wäre auch Frau Seywald.“, fällt Herrn Stein dann noch ein.
„Kamen die Schritte aus dem Sekretariat?“, fragt Frau Vollstuben.
„Soweit ich weiß, ja.“, antwortet Herr Stein.
„Hat die Person, die sie gehört haben, Absätze getragen? Ich weiß, dass man Frau Seywalds Schritte sehr gut erkennt.“, erwidert Kommissarin Urich.
„Nein, die Schritte stammten nicht von hohen Schuhen.“, ist sich Herr Stein sicher.
„Hmm, das ist natürlich besonders auffällig. Frau Seywald trägt immer Schuhe mit kleinem Absatz, die Schritte gehören also nicht zu ihr. Vielleicht hat Frau Seywald gar nicht gelogen, als sie behauptet hat, sie sei nicht im Sekretariat gewesen. Vielleicht hat sie tatsächlich nur ihre Klausuren geholt.“, fasst Frau Vollstuben zusammen.
„Kurz gesagt, wir befinden uns in einer Sackgasse. Aber wir haben ja noch einen Verdächtigen.“, sagt Kommissarin Urich und will wieder ins Lehrerzimmer gehen, um Herrn Sagowski zu konfrontieren.
„Aber Frau Urich, warten Sie noch einen Moment. Herr Stein behauptet, er hätte Schritte im Sekretariat gehört. Wer hält sich dort denn besonders oft auf und hat sogar einen Schlüssel? Die Sekretärinnen!“, kombiniert Frau Vollstuben.
„Aber die haben doch gar kein Motiv.“, erwidert Kommissarin Urich.
„Nein, das haben sie nicht, völlig richtig. Aber die Sekretärin Frau Ude ist das Alibi von Frau Holtz. Meinen Sie nicht, es könnten vielleicht sogar zwei Täter gewesen sein?“
„Doch natürlich, aber was sollen wir denn jetzt tun?“

Ihr habt euch dazu entschieden, Frau Holtz näher zu untersuchen…