Interviews

Herr Osterland über den Heisenberg-Tag

Vor einigen Wochen fand der alljährliche Heisenberg-Tag an unserer Schule statt, über den wir schon aus der Sicht von Schülern aus allen Stufen berichtet haben. Doch was sagt Herr Osterland, der Organisator, über den Heisenberg-Tag?


SZ: Seit wann organisieren Sie den Heisenberg-Tag?

Os: Uh, da muss ich nachdenken. Den Heisenberg-Tag… Ich glaube, schon seitdem ich hier an der Schule bin. Ich glaube, seit sechs Jahren.

 

SZ: Und hat sich was in diesen Jahren am Heisenberg-Tag geändert?

Os: Viel, viel. Die Projekte haben sich geändert, wir haben versucht, viele unterschiedliche Projekte am Heisenberg-Tag durchzusetzen, wir haben mit den Schülern zusammengearbeitet, wir haben seit letztem Jahr einen Galleriegang drin, den haben wir in diesem Jahr noch einmal ein bisschen verändert. Der war letztes Jahr, glaube ich, anderthalb Stunden, jetzt ist der nur eine halbe Stunde. Das reicht im Prinzip auch aus. Und ja, es kommen immer neue Projekte rein, es kommen immer neue Referenten rein. Wir haben jetzt die Feuerwehr mit dazugewonnen, wir haben das Sucht- und Beratungscenter mit dazugewonnen. Wir entwickeln uns im Prinzip immer weiter. Und das ist ganz spannend.

Vor allen Dingen lernen wir Lehrer auch manchmal so viel, weil auch einige Sachen fachfremd unterrichtet werden und der Lehrer sich dann schon ein bisschen informieren muss: worum geht’s hier eigentlich? Und wie machen wir das eigentlich? Das finde ich persönlich ganz spannend, mal ein neues Projekt zu machen und dann vielleicht auch ein bisschen über den Horizont zu gucken.

 

SZ: Angenommen, die Schulbehörde stellt Ihnen 10.000€ zur Verfügung, welches Experiment würden Sie damit finanzieren?

Os: Boah 10.000€! Heidewitzka! Ich weiß gar nicht… Gut, ich bin Physiker, ich würde natürlich die Sache der Physik zuwenden, aber es gibt bestimmt noch andere spannende Experimente, die man mit 10.000€ finanzieren kann. Ich würde das diplomatisch machen, glaube ich. Ich würde das aufteilen. Wir haben hier verschiedenste Fachbereiche, auch in dem MINT-Bereich: wir haben Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Technik kommt immer sehr kurz und Informatik kommt meines Erachtens auch sehr kurz bei dem ganzen Tag.

Hier müssen wir das ein oder andere Projekt refinanzieren. Vielleicht könnte man dann da ein bisschen Geld mit in die Hand nehmen, um zu sagen, wir können in Zusammenarbeit mit Herrn Lange irgendwas anschaffen, was wir an dem Tag programmieren können. Aber natürlich bin ich auch geneigt, so was Tolles in die Physik reinzubringen. Da müsste ich aber nochmal recherchieren, wo sich das richtig lohnen könnte. Aber tendenziell wäre ich dafür, das aufzuteilen. Wir haben fünf Bereiche, das teilen wir komplett auf und jeder kann dann damit vielleicht ein neues Projekt organisieren. Das fände ich auch sehr spannend.

 

SZ: Gab es in Ihrer Schulzeit auch einen MINT-Tag?

Os: Nein. Wir hatten damals eine Projektwoche, wo Schüler auch sagen konnten, ich habe Lust so ein Projekt zu machen. „Das biete ich an und wer als Schüler Lust hat, kann zu mir kommen und dann machen wir zusammen das Projekt.“ Das fand ich sehr spannend. Das war immer so ein Run auf die Projektthemen.

Das hatten wir damals, aber so einen richtigen MINT-Tag oder einen Heisenberg-Tag hatten wir damals nicht, wo sich die ganze Schule mal einen ganzen Tag über beschäftigt. Finde ich ganz spannend. Und weil wir hier auch keine Projekttage haben, wir haben zwar die Fachtagewoche, aber im MINT-Bereich halt nichts, was dem entgegenkommt, finde ich, ist so ein Mint Tag ganz toll, um sich mal ein bisschen mit naturwissenschaftlichen Projekten zu beschäftigen.

 

SZ: Was glauben Sie, kommt am besten am Heisenberg-Tag bei den Schüler an?

Os: Also, wenn ich Schüler frage „Weißt du denn, was der Heisenberg-Tag ist?“, dann sagen mir viele Schüler „Ah, das ist da, wo Sie immer auf den Tischtennisplatten stehen und immer lustige Kostüme anhaben“. Ja, das stimmt, aber da passiert noch eine ganze Menge mehr hintenraus.

Ich glaube, Projektarbeit, vielleicht kommt ein bisschen Teamarbeit mit rüber. Toll fände ich es, wenn der ein oder andere interessiert bei dem Projekt dabei ist und sich mal mit Inhalten beschäftigt, die normalerweise nicht zu seinem eigenen Repertoire gehören; ein bisschen aus seinem eigenen Fahrwasser, aus einer eigenen Wohlfühlzone rauskommt und sich mit Dingen beschäftigt, die kompliziert sind, aber spannend vielleicht.

Das hoffe ich, dass die Schüler etwas Spannendes mitnehmen und da ein bisschen forschend tätig werden. Aber ich glaube, auf jeden Fall kommt Projektarbeit raus. Es kommt Arbeit im Team raus, wir wollen was herausfinden und wir wollen jetzt seit den letzten zwei Jahren auch mal gucken, was andere gemacht haben. Das geht uns auch irgendwie was an. Das hoffe ich, dass es bei rumkommt.

 

SZ: Man sagt, einige Kinder sind musikalisch oder sprachlich talentiert. Glauben Sie es gibt auch so ein Talent für Naturwissenschaften?

Os: Ich glaube, dass es neugierige Schüler gibt und weniger neugierige Schüler. Und ich bin der festen Überzeugung, dass Neugierde ein festes Fundament ist, was man für Naturwissenschaften benötigt, um sich die Frage zu stellen, was steckt eigentlich hinter den Dingen? Warum geht das Licht an, wenn ich auf einen Schalter drücke? Und warum regnet es eigentlich, wenn über mir eine Wolke ist? Oder wie funktioniert eigentlich mein Körper? Und warum sollte ich zwei Dinge nicht miteinander mischen?

Wenn man sich diese Fragen nicht stellt, dann ist es schwierig, in die Naturwissenschaft einzutauchen. Aber wenn man ein sehr neugieriger Mensch ist und ich glaube, von vornherein ist jeder Mensch neugierig, dann wollen wir die ganze Welt entdecken. Wir wollen einmal alles anfassen, wir sind sehr haptisch. Und wenn ich die Kinder aus der Grundschule erlebe und in der fünften Klasse sehe, dann sind die auch super haptisch im NWT-Unterricht. Die wollen alles machen, alles ausprobieren und stellen tausende von Fragen. Leider ist das bei vielen Schülern so, dass das ab der siebten Klasse abebbt. Man stellt sich nicht mehr so die Fragen, wie, warum wird mein Smartphone heiß, wenn es geladen wird? Oder wie funktioniert überhaupt ein Akku? Oder wie funktioniert die App, die ich da gerade verwende? Und das ist ein bisschen schade. Deshalb glaube ich nein, ein besonders Talent braucht man nicht, man braucht nur Neugierde. Neugierde, um den Dingen einfach mal auf den Grund gehen zu wollen und der Natur die Maske zu entreißen.