Eure Texte

Gay sein – Teil 3

Heute bin ich 17. Ich denke an neulich zurück: Wie ich als Mädchen Händchen haltend mit meiner festen Freundin abends durch die Straßen schlendere. Weil sie auch ein Mädchen ist, kann ich mir nie sicher sein, wie die Menschen reagieren, anders als bei meinen Dates mit Jungs. Die Blicke der Passanten reichen von verschmitzt grinsend über abwertend bis hin zu unangenehm sexualisierend.

Heute bin ich 17. Meine Freundin und ich liegen gemeinsam am See auf einer Decke. Ich küsse sie. Ein Kind von vielleicht 9 oder 10 Jahren beleidigt uns aus 30 Metern Entfernung als Schwuchteln. Die Eltern halten es nicht für nötig, sich zu entschuldigen.

Heute bin ich 17. Ich höre das Wort schwul als Beleidigung auf dem Schulhof. Ziemlich diskriminierend.

Heute bin ich 17. Ich gehe zur Schulleitung und bringe das Thema bei dieser zur Sprache. Dass die Aufklärung an unserer Schule irgendwie lückenhaft ist. Leider sind Sportveranstaltungen in der 10ten wichtiger als Aufklärungs- und Gesellschaftsarbeit und lassen sich momentan nicht absagen oder verschieben.

Heute bin ich 17. Ich lese mir Kommentare im Internet durch, die herabwertende homo- oder transfeindliche Botschaften verbreiten.

Heute bin ich 17. Ich bekomme Lob von meinem Bruder dafür, dass ich meine Freundin mit nach Hause gebracht habe obwohl es sich um ein Mädchen handelt. Wäre er schwul, hätte er sich das nie getraut… Dabei sollte es doch Normalität sein.

All das zeigt: Es gibt eindeutig Dinge, an denen man in der Gesellschaft arbeiten kann und muss.

Deswegen hier mein Appell an die Schule: Ich würde mir wünschen, dass im Aufklärungsunterricht in Zukunft vielleicht noch mehr über diese Dinge gesprochen wird. Über Geschlecht als etwas, das nicht unbedingt festgeschrieben ist. Und über andere Lebensweisen und Sexualitäten.

Wenn Du jetzt einfach so neugierig geworden bist: Google hilft! Es gibt viel zu entdecken. Man kann sich übrigens auch als heterosexuell identifizieren und sich fortbilden. Sich aus Interesse mit anderen Lebensweisen zu beschäftigen zeugt von Offenheit und Toleranz!

Ansonsten wünsche ich jedem, der bis hier gelesen hat, noch einen schönen Tag! Und um das hier ganz cheesy zu beenden: Im Endeffekt ist es egal, ob Du jetzt ein Mädchen liebst oder bist, einen Jungen liebst oder Dich als solcher identifizierst oder irgendwas komplett anderes als das für Dich passende entdeckt hast. Du brauchst nicht mal einen Begriff wie homo- oder heterosexuell, mit dem Du Dich betiteln kannst.

Es geht bei all diesen Dingen schlussendlich einzig und allein darum, dass Du Dich in deiner Haut wohl fühlst und glücklich bist! Viel mehr oder weniger ist es letztendlich auch nicht.

Von Anonym