Eure Texte

Gay sein – Teil 1

Eine kleine, mehr oder weniger interessante Reise in meine Vergangenheit:

Als ich jünger war, vielleicht 11 oder 12, da war alles noch ganz anders als jetzt. Die Pubertät schlich sich langsam in mein Leben ein. Da fiel mir das erste Mal auf, dass ich bei stillen, heimlichen Gedanken im Bett, kurz vor dem Einschlafen, nicht nur an ein Geschlecht dachte. Ich dachte an beide. Das fand ich damals nicht schlimm, genauso wenig heute. Es fühlte sich natürlich und gut an, damit war die Sache für mich abgehakt. Punkt.

Als ich älter wurde, änderte sich für mich auch nicht viel an dieser Tatsache. Ich beschäftigte mich einfach nur etwas bewusster mit allem, was irgendwo Abseits der heterosexuellen, Geschlechter-getrennten Norm lag. Aus reinem Interesse. Und da gibt es so einiges, auch weit über die Homosexualität hinaus, wie ich feststellen musste! Homo-, Hetero-, Pan-, Bi-, oder Asexualität sind nur einige wenige Beispiele. Insgesamt lassen sich all diese Dinge unter dem Begriff queer zusammen fassen.

Mit 12 schaute ich Desperate Housewifes, mit 14 Greys Anatomy. Die ersten Serien die ich sah, in denen queere Pärchen vorkamen.

Mit 15 begann ich, YouTube zu entdecken. Das ganze Internet! Eine riesige Plattform, über die ich immer mehr Menschen kennenlernte, die sich mit genau denselben Themen beschäftigen wie ich selbst es tat. Menschen, die sich selbst zur queeren Community zählten. Die ihre Erfahrungen teilten und offen mit ihren Vorlieben umgingen. Ein wichtiger Schritt. Schließlich wird alles greifbarer und echter, wenn es einen Namen und ein Gesicht hat. Aufeinmal wird einem klar: Es gibt wirklich Menschen, die ähnlich ticken wie ich! Ich stellte fest, dass ich bei weitem nicht die Einzige war, die beide oder das gleiche Geschlecht auf seine eigene Art attraktiv fand.

Mit 16 lernte ich dann einen Menschen kennen, der mich auf die Frage aufmerksam machte, ob es mehr als zwei Geschlechter gäbe? Sie ließ die harten Grenzen zwischen männlich und weiblich, sexuellen Orientierungen und Labels endgültig verschwimmen. Dass Schubladen wie Homo-, Bi- oder Heterosexuell nicht klar zu trennen sind, sondern dass sich die ganze Sache mit der Sexualität im Allgemeinen eher wie ein Spektrum gestaltet. Und dass selbst die Frage nach dem Geschlecht nicht immer eindeutig zu beantworten ist. Dass auch die Geschlechtsidentität mehr wie ein Spektrum ist, auf dem man sich einordnen kann, wo man mag. Dass es sogar Menschen gibt, die sich gar nicht auf diesem Geschlechter-Spektrum sehen, sondern irgendwo außerhalb. Dass Geschlecht und Sexualität nicht festgeschrieben sind und sich im Laufe des Lebens und der Pubertät auch stark verändern können. Zugleich sammelte ich meine ersten Erfahrungen in Richtung Romanze und Beziehung mit Jungs.

Und heute bin ich 17. In all den Jahren habe ich vieles dazu gelernt, das lässt sich schwierig in einem so kurzen Text zusammenfassen. Wer sich für die zahlreichen Dinge interessiert, die ich so eben in Kurzfassung erwähnt habe, der sollte unbedingt ein bisschen recherchieren, es gibt sehr viel zu entdecken!

Fortsetzung folgt…

Von Anonym