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Schüleraustausch nach Frankreich

Von Sarah Jacobs (9a)

Nantes:: Dieses Jahr nahm ich an dem Austausch-Programm teil, welches vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) seit 1989 gefördert wird. Es handelt sich um einen individuellen Schüleraustausch über drei Monate zwischen Deutschland und Frankreich, welcher bei jüngeren Schülern auch verkürzt werden kann, so wie bei mir.

Der Austausch wird von den Familien selbst mit Unterstützung der Schule organisiert und beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit.

Meine Austauschpartnerin war Juliette, die mit ihrer Familie in Nantes, einer Großstadt im Westen Frankreichs, wohnt. Sie war zum Zeitpunkt meines Besuches erst 13 Jahre alt und ging in die 4ème Klasse des Collège Gaston Serpette. Juliette hat zwei Brüder, von denen aber nur noch der 16-jährige zu Hause wohnt.

Meine Eltern brachten mich mit dem Auto nach Frankreich. Der lange Weg von ca. 1300 km führte uns durch die für mich schönste Stadt Europas, Paris, wo wir einen Zwischenstopp einlegten. Obwohl ich schon vorher dort war und die typischen Sehenswürdigkeiten, wie den Eiffelturm und Sacre Coeur bereits kannte, gibt es in dieser großen und impulsiven Stadt immer Neues zu entdecken. Dieses Mal besuchten meine Eltern und ich zahlreiche Galerien und Antiquitätengeschäfte, wo ich mir ein kleines Ölgemälde von einem unbekannten Künstler kaufte, welches mich auch noch heute an meine aufregende Zeit in Frankreich erinnert.

Endlich in Nantes angekommen, erwartete uns schon meine Gastfamilie, die wir bereits bei einem Besuch im vergangenen Jahr kennengelernt hatten. In der ersten Nacht in meinem neuen Zuhause schlief ich vor lauter Aufregung nur wenig. Voller Spannung, was mich erwartete, begann am nächsten Morgen mein erster Schultag. Ich wurde sehr nett empfangen und fand schnell Anschluss bei den Mitschülern. Besonderes Glück hatte ich mit den Lehren. Sowohl der Deutschlehrer als auch die Lehrerin für Französisch waren ausgesprochen nett und hilfsbereit. Sie haben mich die ganze Zeit super begleitet. Selbst die Schulleiterin hat mich in organisatorischen Dingen beraten und unterstützt. Ungewohnt war der lange Schultag von 8.00 Uhr bis 16.30 Uhr täglich, außer am Mittwoch. Dafür gab es jedoch nur wenige Hausaufgaben, und der Lehrstoff ist wesentlich einfacher als bei uns in Deutschland. Das liegt an den unterschiedlichen Bildungssystemen. Schon früh, im Alter von 2,5-6 Jahren, gehen die meisten Kinder ganztags freiwillig in die École maternelle. Es ist eine Art Vorschule und eine Vorbereitung auf die École élémentaire, der Grundschule, die fünf Jahre dauert. Anders als bei uns besuchen danach die französischen Schüler vier Jahre lang das Collège. Erst am Ende dieser Zeit erfolgt eine Prüfung mit Abschlusszeugnis, welches dann über den weiteren Bildungsweg entscheidet.

Gewöhnungsbedürftig empfand ich die Essgewohnheiten, da die Franzosen viel Süßes essen. Es gab morgens schon Brioche, ein süßes und weiches Weißbrot mit Marmelade und Schokoflocken, nach der Schule oft Cookies und erst spät abends um ca. 21 Uhr warmes Abendessen. Das fand ich nicht so gut, da man mit einem Völlegefühl ins Bett gegangen ist. Mittags gab es aber auch warmes Essen für 3,80 Euro in der Mensa.

Meine Austauschpartnerin war sportlich und musikalisch sehr engagiert, weshalb sie eigentlich kaum Freizeit hatte. Montags Klavierunterricht, dienstags Handball, mittwochs Badminton, donnerstags wieder Handball und fast jedes Wochenende  gab es Punktspiele. In der ersten Zeit habe ich alles mitgemacht, aber dann wurde es mir zu viel, denn wir kamen nie vor 20 Uhr nach Hause. Man darf nicht unterschätzen, dass ein so langer Tag in einem fremden Land mit  einer anderen Sprache doch sehr anstrengend ist.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass es deshalb bei der Auswahl des Austauschpartners besonders wichtig ist, im Vorfeld nach gemeinsamen Interessen und Lebensgewohnheiten zu suchen und das vorab durch Emails oder Telefonate abzuklären. Man kann gezielt nach einem passenden Austauschpartner auf der Internetplattform des DFJW suchen oder auch selbst inserieren.

Ich persönlich war ein wenig enttäuscht, weil Juliette so wenig Zeit für mich hatte und für Ausflüge in die Umgebung kaum Gelegenheit war. Gerne hätte ich mehr von der wundervollen Landschaft oder auch den Strandorten gesehen. Deshalb genoss ich die wenigen Unternehmungen mit der Familie sehr und habe mich auch mehrmals mit einer anderen Mitschülerin verabredet.

Die Stadt Nantes ist wunderschön und hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Es lohnt sich, das Schloss sowie die Kathedrale Saint-Pierre zu besichtigen. Es gibt weitere zahlreiche Kirchen und Museen. Auch der Besuch des botanischen Gartens ist toll. Da Nantes nahe an der Atlantikküste liegt, hat meine Gastfamilie einen Ausflug mit mir an den Strand gemacht. Zum ersten Mal habe ich dort Miesmuscheln in Käsesoße mit Pommes gegessen. Das war super lecker, auch wenn uns Deutschen diese Kombination etwas merkwürdig erscheint. Aber andere Länder, andere Sitten. Die Franzosen erwarten, dass man zumindest alles probiert und nicht ablehnt.

Am Ende dieser erlebnisreichen Zeit holte mich meine Mutter ab. Als sie ankam, habe ich mich so gefreut, denn auch wenn ich es am Telefon nicht sagte, hatte ich doch ab und zu großes Heimweh. Aber ich wollte schließlich durchhalten und  mir selbst beweisen, dass ich es schaffe.

Das Highlight der Rückreise war der Rückflug mit Zwischenstopp an der Côte d´Azur. Da in Nantes die Ferien begonnen hatten, war ein direkter Flug über München viel teurer als ein Flug über Nizza mit easyjet.

Bei uns war Ostern, so dass wir zwei Nächte bleiben konnten, bis für mich hier die Schule wieder begann. Wir hatten traumhaftes Wetter und erkundeten die Shopping-Stadt Nizza überwiegend zu Fuß. Es gibt dort so viele tolle Geschäfte, die wohl jedes Mädchenherz höher schlagen lassen, wenn man vor den eindrucksvollen Schaufenstern steht. Nizzas Strandboulevard ist trotz des traurigen Attentates im Jahre 2016 und den jetzigen Baumaßnahmen, für eine neue Untergrundbahn, immer noch ein Erlebnis mit einem schönen Ausblick auf das Mittelmeer. Von den Hoteldachterrassen hat man eine herrliche Aussicht über die ganze Küste mit den Häfen und teuren Luxusyachten. Das Fürstentum Monaco ist nur ca. 10 km entfernt. Dort waren wir ein paar Jahre zuvor. In Erinnerung geblieben sind mir die tollen Autos vor dem beeindruckenden und berühmten Casino in Monte-Carlo. Für einen Besuch blieb uns jedoch nicht genügend Zeit.

Gewohnt haben wir in Cannes, ein Treffpunkt der Reichen und Schönen, wo jedes Jahr die legendären Filmfestspiele stattfinden. Mit dem Bus, der ca. 1,5 Stunden (hält an jeder Haltestelle) für nur 2 Euro von Nizza fährt, erreicht man diesen Badeort mit nur ungefähr 74.000 Einwohnern. Er ist viel ruhiger als Nizza und hat ebenfalls eine wunderschöne Flaniermeile, der Boulevard de la Croisette.

Der Aufenthalt an der Côte d`Azur war ein toller Abschluss meiner Reise. Sprachlich hat mir der Austausch sehr viel gebracht und auch an Selbstvertrauen habe ich gewonnen. Ich kann dieses Austauschprogramm nur empfehlen, denn es war eine tolle Zeit, die ich sicherlich nie vergessen werde. Auch heute noch habe ich netten Kontakt zu den Schülern und Lehrern. Bei Interesse sprecht am besten die Französischlehrer an. Auch ich beantworte euch gerne offene Fragen. Unten findet ihr noch ein paar Fotos von meiner unvergesslichen Reise nach Frankreich!